Germanistik 1950-1989 : Gottes heimliche Kinder

Gottes heimliche Kinder

EUR 4,00


Seid fruchtbar und mehret Euch, lautet Gottes Auftrag, doch für katholische Priester soll dies angeblich nicht gelten. Sie sind im Gegenteil nach wie vor durch das Zölibat gebunden, das ihnen die Ehe und überhaupt den geschlechtlichen Verkehr grundsätzlich untersagt. Doch ganz im Einklang mit dem Gemeinspruch Das mag zwar in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis erliegen viele Gottesmänner den Reizen der Weiblichkeit bei allem guten Willen eben doch. Annette Bruhns und Peter Wensierski zitieren in ihrem Vorwort Schätzungen von Initiativen betroffener Priester und deren Frauen, denen zufolge mindestens die Hälfte aller katholischen Geistlichen sexuelle Beziehungen unterhält. Und das hat nicht selten die so genannten Folgen. Das mag zwar lustig klingen, für die Betroffenen -- und das sind neben den Priestern und ihren heimlichen Frauen insbesondere die Kinder aus solchen Beziehungen -- ist es alles andere als dies. Wenn es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, dieses bedrückende Buch liefert etliche davon: Porträts und Schicksale von Priestern, Priestersöhnen, -töchtern und -frauen, die den Autoren ihre Geschichte anvertraut haben und die ausführlich auch selbst zu Wort kommen. Neben dem Mitleid mit den Kindern (denen, die nicht hätten sein sollen, und denen, die tatsächlich nicht sein durften, die also abgetrieben wurden) und den Frauen, die ihr heimliches (Un-)Glück oft still ertragen, nährt manche der hier versammelten wahren Geschichten den Verdacht, dass Priester, die ein solch verlogenes Leben führen, denkbar schlecht geeignet sind, den ihnen anvertrauten Schäfchen den Weg zu Gott zu weisen. Manche freilich sind ihrer Kirche voraus und leben ihre Liebe mit ihrer Haushälterin und deren Kindern nur offiziell geheim -- ein fast schon, aber eben nicht wirklich ganz normales Familienleben. Und manche bekennen sich irgendwann dann doch offen zu ihrer Liebe und geben ihr kirchliches Amt dafür auf. Zu oft aber verstoßen die fruchtbaren Priester Frau und Kind und geben damit dem Zweifel an der Heiligkeit der Kirche jede Nahrung. Ein überfälliges Buch! --Andreas Vierecke

Es gehören zwei zum Tango - Sicherlich ist dieses Buch nicht zu übergehen, will man sich mit der Problematik des Zölibats und der sich daraus ergebenden Konsequenzen auseinander setzen. Jedoch, was dieses Buch trotz aller Authenzität leicht ins Polemische hat abgleiten lassen, ist die oft zu einfache Schuldzuweisung an die Priester, respektive die katholische Kirche. Was ich schmerzlich vermisst habe, ist die Stellungnahme und Psychologie der ungewollten Mutter. Zu wenig wurde ihre eigene Verantwortung herausgearbeitet und so scheint sie mehr Opfer als Täter.

Ein wichtiges Buch, gut geschrieben, absolut empfehlenswert! - Das Buch ist wirklich etwas besonderes, ich hab es kaum aus der Hand legen können. So etwas hab ich noch nicht gelesen. Ich bin zwar kein Priesterkind, finde aber als uneheliches Kind, dessen Vater abgehauen ist, vieles im Buch richtig spannend und erhellend. Beschrieben werden die Schicksale von etwa einem Dutzend Menschen, die mitten unter uns leben, aber wegen ihres Vaters unglaubliches erlebt haben und noch erleben. Keine Fiktion, sondern Realität und so hautnah beschrieben, dass man nicht weiß, ob man manchmal lachen oder nur noch wütend sein soll. Das Schicksal dieser Kinder wird bestimmt von der moralischen Institution katholischen Kirche. Für die gelten ihre strengen moralischen Maßstäbe in den eigenen Reihen offenbar nicht. Das Buch erlaubt wirklich einen sensationellen Blick hinter diese Kulisse. Man erfährt, worüber man sonst immer nur etwas ahnt, etwa wie es in katholischen Pfarrhäusern zugeht,wo vier Menschen heimlich als Familie zusammen leben. Echtes Lob für die schwierige Recherchearbeit. Die heimlichen Kinder der katholischen Priester können nichts für ihr Schicksal, müssen aber den Vater verleugnen, ihre Sehnsucht nach Nähe geht ins Leere, die Suche nach dem Vater hält oft ein Leben lang an. Das kenne ich auch. Ich fand viele Parallelen zu unehelichen Kindern, deren Väter auch verschwinden, oder sich ewig nicht für Frau und Kind entscheiden können. Das Buch ist einerseits Sachbuch, andererseits sehr ergreifend, teils wie ein biografischer Roman geschrieben. Besonders die Menschen, die in der Ich-Form erzählen, haben mir gut gefallen, sie sind mir sehr nahe gegangen. Ausser den abwechslungsreichen Beschreibungen der Menschen (zwischen 15 und 60 Jahren alt) fand ich auch noch die ergänzenden Kapitel ganz hilfreich, besonders das lange Gespräch mit dem Psychologen Petri über vaterlose Kinder. Endlich mal ein wichtiges Buch, das die Realität hierzulande abseits von Modethemen beschreibt und dennoch spannend, ergreifend und aufwühlend ist. Ich hab es wirklich gern gelesen und schon zwei Mal verschenkt.




Gottes heimliche Kinder