
Es gehören zwei zum Tango - Sicherlich ist dieses Buch nicht zu übergehen, will man sich mit der Problematik des Zölibats und der sich daraus ergebenden Konsequenzen auseinander setzen. Jedoch, was dieses Buch trotz aller Authenzität leicht ins Polemische hat abgleiten lassen, ist die oft zu einfache Schuldzuweisung an die Priester, respektive die katholische Kirche. Was ich schmerzlich vermisst habe, ist die Stellungnahme und Psychologie der ungewollten Mutter. Zu wenig wurde ihre eigene Verantwortung herausgearbeitet und so scheint sie mehr Opfer als Täter.
Ein wichtiges Buch, gut geschrieben, absolut empfehlenswert! - Das Buch ist wirklich etwas besonderes, ich hab es kaum aus der Hand legen können. So etwas hab ich noch nicht gelesen. Ich bin zwar kein Priesterkind, finde aber als uneheliches Kind, dessen Vater abgehauen ist, vieles im Buch richtig spannend und erhellend. Beschrieben werden die Schicksale von etwa einem Dutzend Menschen, die mitten unter uns leben, aber wegen ihres Vaters unglaubliches erlebt haben und noch erleben. Keine Fiktion, sondern Realität und so hautnah beschrieben, dass man nicht weiß, ob man manchmal lachen oder nur noch wütend sein soll. Das Schicksal dieser Kinder wird bestimmt von der moralischen Institution katholischen Kirche. Für die gelten ihre strengen moralischen Maßstäbe in den eigenen Reihen offenbar nicht. Das Buch erlaubt wirklich einen sensationellen Blick hinter diese Kulisse. Man erfährt, worüber man sonst immer nur etwas ahnt, etwa wie es in katholischen Pfarrhäusern zugeht,wo vier Menschen heimlich als Familie zusammen leben. Echtes Lob für die schwierige Recherchearbeit. Die heimlichen Kinder der katholischen Priester können nichts für ihr Schicksal, müssen aber den Vater verleugnen, ihre Sehnsucht nach Nähe geht ins Leere, die Suche nach dem Vater hält oft ein Leben lang an. Das kenne ich auch. Ich fand viele Parallelen zu unehelichen Kindern, deren Väter auch verschwinden, oder sich ewig nicht für Frau und Kind entscheiden können. Das Buch ist einerseits Sachbuch, andererseits sehr ergreifend, teils wie ein biografischer Roman geschrieben. Besonders die Menschen, die in der Ich-Form erzählen, haben mir gut gefallen, sie sind mir sehr nahe gegangen. Ausser den abwechslungsreichen Beschreibungen der Menschen (zwischen 15 und 60 Jahren alt) fand ich auch noch die ergänzenden Kapitel ganz hilfreich, besonders das lange Gespräch mit dem Psychologen Petri über vaterlose Kinder. Endlich mal ein wichtiges Buch, das die Realität hierzulande abseits von Modethemen beschreibt und dennoch spannend, ergreifend und aufwühlend ist. Ich hab es wirklich gern gelesen und schon zwei Mal verschenkt.