
Cats & Co. auf 275 Seiten - Kiss Me, Kate, My Fair Lady, Hair, Cats oder Mamma Mia!: Seit 1945 hat das Musical auch die deutschsprachigen Bühnen erobert eine Erfolgsgeschichte ohne Beispiel im Musiktheater. Wolfgang Jansen blickt erstmals hinter die Kulissen, folgt den Akteuren auf und hinter der Bühne und analysiert die wichtigsten Stücke, die in den letzten 60 Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz Theatergeschichte geschrieben haben.Ein reich bebilderter Überblick über die verschiedenen Musical-Epochen, unverzichtbar für jeden Musical-Interessierten.Das verspricht der Buchrückentext des gerade erschienenden Buches Cats & Co. (erschienen im Henschel-Verlag) dem eiligen Leser, der auf der Suche nach Neuigkeiten oder nach Informationen ist. Ein Versprechen, das innehalten läßt, wenn man einer dieser angesprochenen Musical-Interessierten ist. Ein Versprechen, das das Buch in die Hand nehmen und darin blättern läßt, um zu entdecken, daß es ein Werk ist, das auf dem Buchmarkt zum Thema Musical schon lange überfällig ist.Wolfgang Jansens Buch ist nicht das Erste, das sich mit Thema oder auch dem Genre Musical beschäftigt, doch sind die Übrigen zum Großteil Werke, die von sich selbst behaupten, vollständig oder gar aktuell zu sein. Ein Anspruch, den keiner dieser Werke erfüllen kann, denn veraltet ist das Buch schon nach mindestens einem halben Jahr, so schnell wie sich die Musicalszene wandelt und vollständig ist ein Buch von 150 Seiten garantiert nicht. Oft fehlen dort die alten Stücke, von denen kaum ein Musicalfan je gehört hat, ein Musical-Interessierter aber durchaus und dann enttäuscht das Buch wieder beiseite legt.Der Autor als Theaterwissenschaftler mit praktischer Erfahrung für dieses Buch mehr als geeignet von Cats & Co. behauptet gar nicht erst aktuell zu sein und er behauptet auch nicht, vollständig zu sein. Seine Ambition ist es, die Geschichte des Musicals von 1945 bis zur Jetztzeit anschaulich zu beschreiben. Und das, was er schreibt, diese Momentaufnahmen der Geschichte, die bleiben unveränderlich und somit sein Buch auch immer aktuell. Es soll als Nachschlagewerk dienen, aber auch als Quell von Hintergrundinformationen - nicht nur zu den Stücken, sondern auch zu Komponisten, Darstellern, Firmen. Der Autor hielt sich an die Meilensteine des Genres, an die Stücke, die etwas bewirkten, etwas Neues waren oder etwas Neues hervorbrachten. An Menschen, die das Musical in Deutschland voranbrachten und salonfähig machten und die mit ihrer Arbeit auf und hinter der Bühne das Musical immer wieder zu einem Erlebnis machen.Dies festzuhalten war ihm zu Recht wichtiger als das Aufnehmen von Inszenierungen, die nach zwei Wochen seichtem Dahinfließen wieder in der Versenkung verschwinden gut so, denn das ist unnötiger Ballast, der in einem Nachschlagewerk zur Geschichte des Musicals in Deutschland, Österreich und Schweiz nichts zu suchen hat auch wenn so mancher eingefleischte Fan anderer Meinung sein dürfte.Das Buch Cats & Co. sei also jedem Musical-Interessiertem ans Herz gelegt, um sich einen Überblick zu verschaffen, warum die Musicallandschaft hier und in unseren Nachbarländern so ist, wie sie ist.
Musical in vielen Facetten - Die Einteilung des Buches ist so einfach wie zweckdienlich, es geht ganz schlicht Jahrzehnt für Jahrzehnt durch die Geschichte von 1945 bis heute. Letztlich hätte Jansen auch auf Kapitel verzichten können, denn er schreibt die Geschichte des Musicals konsequent chronologisch nieder. Illustriert wird diese Geschichte mit Fotos aus allen Zeiten und von einer großen Menge Stücke. Zwischendurch gibt es auch mal ein Plakatmotiv, aber viel häufiger sind gut ausgewählte Szenenfotos zu sehen. Wolfgang Jansen hat genauestens recherchiert und lässt unglaublich viele Namen fallen, die gern auch mal ein bisschen überraschen können. Wer hätte von Horst Tappert oder Rex Gildo gewusst, dass sie mal auf Musicalbühnen gestanden haben, wer, dass Jazzer und Filmmusiker Klaus Doldinger mal die musikalische Leitung bei einem Cole-Porter-Musical hatte.Jansen kommentiert auch die immer wieder einsetzenden Diskussionen über das Musical an sich und seine kulturelle Bedeutung, die es immer wieder im Verlauf der Jahre in verschiedener Form gegeben hat. Auch begleitet er interessante Randerscheinungen des modernen Musiktheaters wie die Rocktheater der APO-Zeit und siedelt das erste Rock-Musical bei Rio Reiser an, der bei Robinson 2000 schon als Siebzehnjähriger als Autor und Komponist beteiligt war. Jahre vor Hair oder Jesus Christ Superstar.Neben genauen Abbildern der späteren En suite-Inszenierungen in Deutschland gibt Jansen auch die Entwicklungen in der Stadttheatern wieder, und es geht natürlich nicht nur um Deutschland, sondern auch das Musical in Österreich - Wien ist ja eine der großen Musicalstädte - und der Schweiz haben ihren Platz im Buch. Mit 300 Seiten im Mittelformat hat Jansen dafür auch genug Platz.Fast automatisch muss man bei der Geschichte einer solchen Kunstform eine gediegene Langeweile befürchten. Die kann Jansen allerdings meistens umschiffen, es sei denn, es kommen lange Namenreihen, die er der Vollständigkeit halber immer wieder anbringt. Hier wäre weniger das eine oder andere Mal mehr gewesen. Ansonsten kann das Buch mit seiner Vollständigkeit aber auch wieder punkten, die Aufmachung und die Fotos sind sehr gelungen, der Autor offenbar sehr kenntnisreich und beredt, so dass Cats & Co. ein absolut empfehlenswertes Buch für Musical- und Theatermacher und -fans ist.